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Forschungs- und Restaurierungsprojekt des Stadtmuseums Penzberg

zu den Hinterglasbildern Heinrich Campendonks

 

Finanziert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, München

 

Das Stadtmuseum Penzberg widmet sich seit 2002 dem Werk Heinrich Campendonks, des Jüngsten der Blauen Reiter, und bewahrt einen Teil seines Nachlasses. In der Sammlung befinden sich zehn seiner Hinterglasbilder, darunter die „Gralsburg“ von 1923 als Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung in München. Eine grundsätzliche konservatorische Problematik jeder Hinterglasmalerei ist die schwache Haftung der Malschicht auf dem Glas. Aus der musealen Aufgabe der Bewahrung entwickelte sich ein Forschungs- und Konservierungsprojekt an den Hinterglasbildern, das nun von der Ernst von Siemens Kunststiftung mit 50.000 € finanziert wird.

 

Hinterglasmalerei hat eine lange Tradition vom fürstlichen Kunstkammerobjekt bis zum bäuerlichen Andachtsbild. Kaum Beachtung durch die kunsthistorische Forschung fand bisher die große Zahl von Hinterglasbildern im 20. Jahrhundert. Zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne hatten die alte, aber nicht akademisch vermittelte Technik für sich entdeckt und in eigenen Experimenten weiterentwickelt. Heinrich Campendonk lernte sie 1911 im Kreis der Künstler des Blauen Reiters kennen und zeigte - wie auch Franz Marc und Wassiliy Kandinsky - bereits in der Ausstellung in der Galerie Thannhauser ein Hinterglasbild.

 

Bis in sein Spätwerk Anfang der 50-er Jahre behielt Campendonk diese Technik bei und entwickelte sie zu einer reichen und subtilen Ausdrucksform. Als Lehrer gab er sie an die nächste Generation weiter. Gut sechzig seiner Hinterglasbilder sind bis heute identifizierbar, um die einhundert wird das Werk wahrscheinlich umfaßt haben.

 

Kernaufgabe des Forschungsprojektes sind maltechnische Studien. Sie werden an sechzehn Hinterglasbildern Campendonks in Museen und Sammlungen in Penzberg, Murnau, München, Köln, Neuss, Amsterdam, Brüssel und Basel vor Ort von der auf Hinterglasmalerei spezialisierten Restauratorin Simone Bretz aus Garmisch-Partenkirchen durchgeführt. In der Entwicklungslinie von gut vierzig Jahren Praxis in dieser Technik sollen die charakteristischen Werkspuren sichtbar gemacht und dokumentiert werden. Die Untersuchung von Hinterglasbildern bietet den Vorzug, sowohl von der Schau-, wie auch von der Malseite auf den Farbauftrag und seinen Duktus schauen zu können. Visuelle Analysen bei unterschiedlicher Lichtführung im Auf-, Durch- und Streiflicht erlauben einen tiefen Einblick in den Werkprozess Campendonks.

 

Partner für die materialanalytischen Untersuchungen im Projekt ist das Doerner Institut in München, vertreten durch Dr. Heike Stege, Dr. Patrick Dietemann und Ursula Baumer, welche die chemischen Analysen zu Farb- und Bindemitteln durchführen. Die erst in jüngster Zeit publizierten Berichte zur Untersuchung von Temperamalerei, beispielsweise an Werken Ernst Ludwig Kirchners durch das Doerner Institut, führten zu einem Umdenken der bisherigen maltechnischen Erkenntnisse an Kunstwerken zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Begriff „Temperamalerei“ wurde neu definiert, die Möglichkeiten und Grenzen der Bindemittelanalytik neu bewertet. Für Hinterglasbilder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen bisher - anders als für solche aus dem Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert - kaum chemische Analysen vor.

 

Durch die Unterstützung des Freundeskreises Heinrich Campendonk e.V. wird es zudem ermöglicht, nicht-invasive Untersuchung mit VIS-Spektrometer, Röntgenfluoreszenzspektrometer und Infrarotspektrometer durch die BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin vorzunehmen.

 

Mit diesem Projekt werden Grundlagen auch für weitere Festigungs- und Restaurierungsprojekte erarbeitet. Als konkretes Ergebnis ist ein spezielles Werkverzeichnis der Hinterglasbilder Campendonks geplant, welches das aktuelle kunsthistorische und kunsttechnologische Wissen hierzu gleichermaßen versammelt.

Dieses soll mit der Eröffnung des erweiterten Penzberger Museums im Frühjahr 2016 vorgestellt werden.

 

 

 

Projektpartner:

-       Simone Bretz, Restauratorin für Hinterglasmalerei, Garmisch-Partenkirchen, www.bretz-hinterglas.com

-       Doerner Institut, München – Dr. Heike Stege

-       BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin –

Prof. Dr. Oliver Hahn

 

 

Kontakt zur Projektleitung:

Gisela Geiger, Museumsleitung                                        

museum@penzberg.de, Tel. 08856 - 813 481

Kleine Pferde, Öl auf Leinwand, um 1912, Privatbesitz
Sitzender weiblicher Akt, Öl auf Pappe, 1919

Heinrich Campendonk

Biographie:

 

Heinrich Campendonk stammte aus dem Rheinland (Krefeld), kam aber 1911 auf Einladung von Franz Marc, August Macke und Wassily Kandinsky nach Oberbayern. Er nahm als jüngstes Mitglied an der Ausstellung „Der Blaue Reiter“ teil. 1912 trat er mit furiosen, sehr eigenständigen Tuschpinselzeichnungen hervor. Herwarth Walden vertrat ihn in der Berliner Galerie DER STURM.

 

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg malte Campendonk mehrfach Motive, die er in seiner Nachbarschaft, der Bergwerksstadt Penzberg, fand. Campendonk entwickelte einen surrealistisch zu nennenden Stil. Seine gesteigerte Farbwahrnehmung, ein oftmals exstatischer Schaffensprozess führte zu Bildern mit einer subtilen und dennoch hochexpressiven Farbgebung. Zugleich ist er um formale Reduktion bemüht, die Bilder werden zu magischen Augenblicken.

 

1923 führte ihn Lebensweg zurück nach Krefeld, wo er sich der Wandmalerei und Glasfensterentwürfen zuwandte. Nachdem er 1933 wie Paul Klee von der Düsseldorfer Akademie entlassen wurde ging er ins Exil.1935 erhielt er eine Professur in Amsterdam. Bei der Weltausstellung 1937 in Paris stellte er für die Niederlande ein Fenster vor, das den Grand Prix

gewann. Zur gleichen Zeit wurden in München Werke von ihm in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. – Zweiter Ausstellungsort in Penzberg ist die Kirche, wo dieses Fenster eingebaut ist und weitere Fenster und Entwürfe gezeigt werden.

1957 starb Heinrich Campendonk in Amsterdam.

CAMPENDONK AUSSTELLUNGEN IN PENZBERG

 

 

 

Campendonk im Chabot Museum, Rotterdam

HEINRICH CAMPENDONK- HENK CHABOT

Expressionistische Verwantschappen

 

17.11.2013 - 2.3.2014

im Chabot Museum, Rotterdam

 

Das Chabot Museum ist von der Größe her dem Penzberger Museum vergleichbar, hat aber eine ganz andere Ausstrahlung: Ein eleganter Bau im Bauhaus Stil aus den 1930-er Jahren. Es ist eine große Freude, die Penzberger Leihgaben neben den wunderbaren Bildern aus dem Krefelder Kaiser Wilhelm Museum zu sehen. Die Nachbarschaft zu Arbeiten des niederländischen Künstlers Henk Chabot öffnet die Augen für den Einfluß der niederländischen Kunst auf Campendonk.

 

Fotos Nr. 3 + 4: Studio Goedewaagen, Rotterdam 

2013

Frau mit Blume, um 1923 - Clemens Sels Museum Neuss

... ein seltsam funkelndes Leben.

Hinterglasbilder von Campendonk Rambold und Steininger

  

 

27.9. - 10.11.2013 

 

  

Bevor das Museum Ende 2013 für den Umbau schloß, wurden noch einmal Arbeiten von Heinrich Campendonk, die Hinterglasbilder der eigenen Sammlung, gezeigt. Eine Besonderheit bildete die Ergänzung durch drei seiner schönsten Hinterglasbilder aus dem Clemens-Sels-Museum in Neuss.

 

Flyer

 

Text zu Rambold

 

Text zu Steininger

2012

Die phantastische Welt des Heinrich Campendonk

15.6. - 14.10.2012

2011

Heinrich Campendonk

Die Penzberger Sammlung

April - Juni 2011

Werke aus dem Nachlaßkonvolut

 

 

LICHT. FARBE. EINSAMKEIT

Heinrich Campendonk

Ein blaues Leben

 

2.7. - 23.10.2011

 

Werke aus dem Nachlaßkonvolut und aus internationalen Museen und Privatsammlungen. Zweiter Ausstellungsort Stadtpfarrkirche für die Fenster Campendonks.

2007: Rausch und Reduktion

Landschaft mit weiblichem Akt und Kuh, Aquarell 1920, von der Heydt-Museum, Wuppertal

Heinrich Campendonk 1889-1957

 

Aus Anlaß des 50. Todestages des expressionistischen Malers Heinrich Campendonk zeigt das Stadtmuseum Penzberg einen Überblick über das gesamte Schaffen. Ölbilder, Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Glasfenster aus allen Schaffensepochen stellen Entwicklungen, Brüche und Kontinuitäten in seinem Œuvre dar.

 

Die Ausstellung zeigt neben der eigenen Sammlung zahlreiche Leihgaben aus dem In- und Ausland, die teils noch nicht in Deutschland zu sehen waren.

 

 

Katalog zur Ausstellung im Wienand Verlag.

 

 

 

 

 

Tanzender Bauer, Holzschnitt 1912

2008: Gesetze der Linie und Form

Heinrich Campendonk als Graphiker

 

Nach dem Erfolg der umfassenden Campendonk Retrospektive im vergangenen Sommer aus Anlaß des 50. Todestages des Künstlers zeigt das Penzberger Museum in diesem Jahr eine bisher weniger bekannte Facette seines Schaffens: den Graphiker Heinrich Campendonk. Ausgestellt werden das gesamte druckgraphische Werk (Holzschnitte) sowie viele originale Zeichnungen, Skizzen und besonders auch seine Tuschpinselzeichnungen, die einen frühen Höhepunkt seines Werkes darstellen.

Gaukler, um 1912, Aquarell und Tuschpinselzeichnung

 

 

Bei Arbeiten dieses Künstlers denkt man spontan an die magisch aufleuchtenden Farbräume seiner Ölbilder. Doch war es die Strenge der graphischen Formen, die ihm immer wieder neue Ausdrucksformen eröffnete. Weiterentwicklungen künden sich in Zeichnung und Druckgraphik an, hier ist sein Experimentierfeld: Linie steht gegen Fläche, Schraffur bringt Dynamik, die entleerte Kontur hebt sich zart vom schwarzen Grund.

 

Gezeigt wird das nahezu komplette druckgraphische Werk sowie originale Zeichnungen aus allen Schaffensperioden. - Besonders die frühen Tuschpinselzeichnungen , Skizzen, Fensterentwürfe, aber auch die späten Aquarelle, Campendonks Fenster und Hinterglasbilder zeigen starke graphische Qualitäten und sind deshalb in die Ausstellung einbezogen.

 

Katalog zur Ausstellung im Museumsshop.

 

Den Flyer zur Ausstellung finden Sie hier zum Download:

 

 

 

 

 

 

 

2002: Oberbayern - Station Penzberg

Barbarazeche, 1919, Aquarell
Barbarazeche, 1919, Aquarell

"Oberbayern - Station Penzberg" , so lautete die Anschrift des jungen Malers Heinrich Campendonk als er 1911 zu Franz Marc nach Sindelsdorf zog. Penzberg war die Bahn- und Poststation, Penzberg wurde für ihn aber auch zu einer Lebensstation. Während der Zeit der Bayerischen Revolution nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Bergarbeiterstadt für ihn mehrfach zum künstlerischen Thema. Hier entstanden Werke wie "Die Armen" (1918, in Krefeld), der "Penzberger Reiter" (1919, in Mönchengladbach) oder die "Barbarazeche" (1919, Privatsammlung).

 

Katalog zur Ausstellung im Museumsshop.

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