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PENZBERGER MORDNACHT

Das Kriegsende im Rahmen der "Feiheitsaktion Bayern"

28. April 1945

 

Der Hergang

Die „Freiheitsaktion Bayern" verbreitete am frühen Morgen 28.4.1945 über den Rundfunk das Ende des Krieges. In der Hoffnung, durch den bevorstehenden Einmarsch der Amerikaner gedeckt zu sein, hieß es, die FAB habe die Macht übernommen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Produktionsanlagen vor Ort vor der Zerstörung im Sinne des „Nero"-Befehls zu bewahren, weiteres Blutvergießen zu verhindern, die Kriegsgefangenen zu schützen sowie die Macht in den Rathäusern und Amtsstuben wieder zu übernehmen.

Darauf hin riskierte der ehemalige sozialdemokratische Bürgermeister Hans Rummer, der die Geschicke der Stadt von 1919 bis 1933 gelenkt hatte, an diesem Morgen in Begleitung weiterer Sozialdemokraten und Kommunisten auch in Penzberg das Bergwerk vor einer geplanten Zerstörung zu schützen. In einem gewaltfreien Aufstand übernahm er anschließend die Macht im Rathaus und schickte sich an, die friedliche Übergabe der Stadt an die Amerikaner zu organisieren.

Eine durchziehende Abteilung der Wehrmacht jedoch beendete diesen Aufstand. Der Kommandierende fuhr dann in Begleitung des Nazi-Bürgermeisters nach München, um einen Befehl für sein weiteres Vorgehen zu erhalten. Weder der Gauleiter Giesler, gegen den die FAB sich hauptsächlich gerichtet hatte, noch das Generalkommando der Wehrmacht in Kempfenhausen waren dazu jedoch während dieses Zusammenbruches staatlicher Gewalt gewillt und in der Lage. Noch am selben Nachmittag wurden in Penzberg die sieben Männer ohne jegliche rechtliche Grundlage erschossen.

  • Paul Badlehner  *23.12.1899 in Mainburg
  • Michael Boos     *29.2.1888 in Penzberg
  • Johann Dreher   *20.10.1895 in Emming, Gde. Eresing
  • Rupert Höck      *14.2.1891 in Uffing
  • Ludwig März      *14.8.1897 in Penzberg
  • Hans Rummer    *24.6.1880 in Penzberg
  • Paul Schwertl    *9.8.1901 in Mirskofen, wohnte in Sindelsdorf

Zitat aus dem Urteil:

„Das von Giesler gefällte „Todesurteil“ (war) weder ein Urteil, noch eine sonstwie dessen Befugnissen entsprechende Anordnung, sondern Gesetz und Recht hohnsprechender Mordbefehl.“

 

Gegen Abend zog ein Werwolfkommando in die Stadt, das der Gauleiter Giesler aus München zu einem Vergeltungsakt für den Aufstand der „Freiheitsaktion Bayern" geschickt hatte. Listen wurden im Rathaus zusammengestellt, an wem Vergeltung geübt werden sollte. In der Untergangsstimmung sollten  vor allem politische „alte rechnungen“ beglichen werden. Die ganze Nacht über zogen Werwolfgruppen durch die Stadt um „Verschwörer" zu verhaften und durch Hängen umzubringen. Flucht, Verfolgung, Schüsse, Motorlärm zum Übertönen der Schreie konnten viele Penzberger zuhause hinter geschlossenen Läden hören - es herrschte jedoch strikte Ausgangssperre, jeder war isoliert, ein Eingreifen unmöglich. Es war eine gezielte Terroraktion, die Angst in der Bevölkerung verbreiten sollte. Ihr fielen neun Männer und Frauen zum Opfer, viele jedoch konnten sich durch Flucht retten.

  • Gottlieb Belohlawek *7.11.1897 in Nürschan
  • Franz Biersack         *7.11.1896 in Penzberg
  • Agathe Fleissner  geb. Pucherna,   *27.12.1904 in Penzberg
  • Franz Xaver Fleissner  *21.9.1900 in Penzberg
  • Albert Grauvogel      *7.9.1901 in Heufeld
  • Kastl, Josef              *3.12.1905 in Neubau
  • Johann Summerdinger  *26.6.1899 in Rottenbach
  • Johann Zenk            *19.7.1899 in Penzberg
  • Therese Zenk  geb. Zelisko, *19.5.1900 in Penzberg

Beim Kirchgang am nächsten Morgen (Sonntag) entdeckte man die aufgeknüpften Leichen in den Bäumen. Sechzehn Männer und Frauen waren am Vortag ermordet worden. Am Montag, dem 30.4.1945, marschierten die Amerikaner in Penzberg ein.

 

Die Aufarbeitung

Die Ermittlungen durch die Amerikaner begannen sehr schnell. Im Frühjahr 1947 nahmder deutsche Untersuchungsrichter Dr. Nikolaus Naaff (Landgericht München II)  die Nachforschungen auf. - Die Erwartungen der Penzberger an das Gerichtsverfahren gingen hoch. Doch selbstverständlich konnte es nicht um eine „höhere“ Gerechtigkeit gehen, die alles in der Nazizeit Erlittene wieder gutmacht. Es handelte sich um ein faires Gerichtsverfahren mit klaren juristischen Normen. Bewußt auch wollte die Nachkriegs-Justiz sich von der tendenziösen Rechtsprechung des Dritten Reiches unterscheiden.

 

Angeklagt waren siebzehn Männer, denen sechzehnfacher Mord und Beihilfe dazu zur Last gelegt wurde.

Urteil 1948: Zwei Angeklagte  erhielten die Todesstrafe, zwei lebenslänglich Zuchthaus, drei zwischen 15 und 3 ½ Jahren Zuchthaus, zwei Gefängnisstrafen. Sieben Angeklagte werden freigesprochen. Das Gericht differenzierte zwischen Mordgier, Totschlag als Ausführung eines Mordbefehls, der Beihilfe zum Mord und dem letztlich in mehreren Fällen nicht möglichen Nachweis von persönlicher Verantwortlichkeit.

 

Weitere Prozesse

·         - 1950, 1951, 1953, und 1954 vor dem Schwurgericht in Augsburg

·         - 1956 vor dem Schwurgericht beim Landgericht München II

 

Darin wurden die Angeklagten freigesprochen bzw. kamen sie frei, weil sie die reduzierten Strafen zu diesem Zeitpunkt abgebüßt hatten.

 

Im Oktober 1949 wurde am Ort der Erschießungen ein Mahnmal eingeweiht. Alljährlich gibt es hier und an den Gräbern Gedenkfeiern.

Die bei den Erschießungen benutze Augenbinde wurde in die Fahne der Penzberger SPD eingeschlossen. Heute wird sie im Stadtmuseum aufbewahrt.

2005 wurden die sechzehn Ermordeten zu Ehrenbürgern der Stadt Penzberg erklärt.

 

 

Die kompletten Texte der Ausstellung "AUFSTAND und MORDNACHT" können hier heruntergeladen werden

- Teil 1: Das Kriegsende in Penzberg

- Teil 2: Zeitliche Abfolge der Aktionen am 28.4.1945

- Teil 3: Aufarbeitung

 

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